Samstag, 29. September 2007

Sauwetter

Eigentlich sollte der Blogeintrag heute „Bauwetter“ und nicht „Sauwetter“ heißen, aber der Nieselregen von heute morgen steigerte sich im Laufe des Tages zum Starkregen. Weiterarbeiten nach dem Mittagessen wäre nur noch mit dem Schnorchel möglich gewesen. Da ich meine aufblasbaren Schwimmärmel nicht finden konnte, fiel der weitere Einsatz ins Wasser. Schade. Ich war mächtig motiviert und hatte so ein „LEGO/IKEA-Gefühl“ in mir. Umsonst.

Stand 19:00 hatte es 20 Liter/ Quadratmeter geregnet. Das ist seit wir hier wohnen der Rekord. Wie ich gehört habe, regnet es in einigen Teilen Deutschlands auch permanent.

Nächste Woche stehen einige Termine an, so dass wir nicht jeden Tag kontinuierlich am Anbau arbeiten können. Hoffen wir einfach, dass noch ein paar schöne Tage kommen.

Na, wer hat den Bericht über Dalarna und das Siljangebiet gestern im Hessischen Fernsehen gesehen? Wir leider nicht. Aber wir haben uns vom Inhalt berichten lassen.

Wie die Dinge doch manchmal zusammenpassen. Kann sich jemand an die Bäuerin aus der Sennerei (fäbod) in Skallskog erinnern, die im Film vorgestellt wurde? Sie hieß Land Alice und ist die Frau, zu der mich Persson gleich in der ersten Woche mitnahm, die uns diese herrlich gelbe Butter verkaufte und die uns beim „Tag des Bauernproduktes“ in Leksand wiedererkannte und so herzlich begrüßte. Jetzt habt ihr sie sogar gesehen. Das freut uns!   

Donnerstag, 27. September 2007

DDC 557

Die Überschrift ist kein Code – das ist unser neues Kennzeichen! Die Nummernschilder wurden uns heute vom Vägverket, der schwedischen Straßenverkehrsbehörde per Post zugesandt. Zusammen mit der schwedischen Zulassung und dem schwedischen Fahrzeugbrief. Allerdings dürfen wir damit noch nicht herumfahren. Vorher müssen wir das Auto noch versichern lassen. Anschließend informiert die Versicherung das Vägverket und wir bekommen eine Art Steuerplakette zugesandt. Diese wird von uns aufs Nummernschild geklebt und das war’s dann. Fast. Danach muss das Auto noch in Deutschland abgemeldet werden, sonst versteuern wir den Wagen zweimal. Was bei einigen Deutschen, die wir kennenlernten dazu führte, dass man auf die schwedische Botschaft nach Stockholm fahren musste, um sich dort für die deutschen Behörden bescheinigen zu lassen, dass der Wagen nach Schweden umgemeldet ist. Ein langer Weg dafür, dass man in den Vereinigten Staaten von Europa lebt, oder?

Draußen ist es schon fast dunkel (knapp 19:00 Uhr), es ist windstill und unsere Birken nadeln gewaltig.

Auf der Bank haben wir heute für Arbeit gesorgt, als wir unsere Personennummern bekanntgaben, Postanschriften korrigieren ließen, Kathrins Nachnamen ändern ließen, eine EC-Karte für Kathrin beantragten und zuletzt noch jeweils eine sogenannte ID-kort, eine Art schwedischer Personalausweis beantragten. Wir hatten Glück mit unserer Bedienung. (Der Viel-Leser weiß, dass das nicht immer so ist.) Sie fährt am Samstag für 2 Wochen nach Deutschland – in die Alpen. Entsprechend dienten wir als Urlaubseinstimmung und das wirkte sich auch auf die Erledigung dieser Aufgaben aus. Alles wurde in die Wege geleitet. Außer meiner ID-kort. Das isometrische Passbild war für schwedische Verhältnisse zu groß und das normale Passbild war zu klein.

Gewöhnt daran, dass nicht die kleinste Kleinigkeit problemlos über die Bühne geht, verließen wir die Bank. Dann kopieren wir wenigstens noch die Bauzeichnungen, die ich zum Nachreichen in der Baubehörde angefertigt hatte.

Auch das ist normalerweise kein Problem – wenn man die Originale dabei hat. Egal, dann fahren wir eben morgen noch mal in die Stadt. Evtl. können wir da auch gleich unsere neue Postadresse klären – einen echten Briefkasten im Wald. Nicht hier direkt bei uns, aber auf dem Weg in die Stadt. Dort kommen wir garantiert jedes Mal vorbei, egal wohin wir fahren. Das ist besser, als wegen der Post immer nach Leksand zu fahren.

Morgen kommt das Bauholz!

        

Mittwoch, 26. September 2007

Dem Winter ein Schnippchen geschlagen

Ausgetrickst! J Jetzt kann uns der Winter soviel Frost schicken, wie er will. Die Bodenplatte ist gegossen! Was für ein wichtiger Meilenstein. Die Arbeit an der Holzkonstruktion ist zwar bei Kälte nicht besonders nett, aber man könnte es tun. Und wenn irgendwann das Dach dicht ist und rundherum die „windpapp“ genagelt ist, kann man „drinnen“ mit der Isolierung beginnen. Das sind Aussichten.

Momentan macht sogar das Wetter wieder Freude. Meist ist es sonnig und die Temperaturen liegen tagsüber bei über 10 Grad und nachts um die 5 Grad. Feinstes Bauwetter.

Für Morgen oder spätestens Freitag haben wir das Holz für den Anbau bestellt. Wir freuen uns schon auf die Holzbearbeitung. Das ist wieder ein bisschen wie damals an der Blockhüttenbau. J. und S. aus Z. – kommt ihr auch wieder vorbei und wir machen beim Klüpfeln des Holzes einen Schwatz über den Bauzaun? Das wäre doch schön, oder?! Na, ich weiß schon warum ihr nicht kommt  - wir haben keine so schöne Linde zum Druntersitzen wie ihr! ;-)

Weil es nun, so kurz vor Beginn der „Duschsaison“, viele Dinge zu Besorgen gibt, haben wir uns auf den weiten Weg nach Mora gemacht. Mora liegt am Nordufer des Siljansees, ca. 40-50km von uns entfernt. Für mich ist es immer, als würde hinter Mora der Norden beginnen, als wäre es das Ende der zivilisierten Welt. Für mich eine schöne Vorstellung. Die Straßen dahin erinnern sehr an Kanada. Zwischendrin hat man manchmal einen Ausblick auf den Siljansee welcher (erwähnte ich es schon?) doppelt so groß wie die Müritz ist.

In Mora soll es einen Baumarkt geben, der ein breiteres Angebot hat, als die restlichen hiesigen Baumärkte. Und tatsächlich ist das Angebot sehr groß. Leider finden wir aber letztendlich trotzdem nicht viele der gewünschten Artikel. Weit und breit kein Stromverteilungskasten und noch nirgendwo in Schweden habe ich ein Eckventil gesehen. Ach ja: Wer von den Handwerkern kennt sich mit dem „Rohr in Rohr“-System von Uponor aus? Das ist ein relativ flexibles Plastrohr Durchmesser außen etwa 10mm, das in einem geriffelten Schutzrohr läuft. Meine Frage ist, wo im Internet kann man Zubehör dazu finden, also Muffen, Winkel, etc. und was würde das Gerät zum Verschweißen der Verbindungen kosten?

Letztlich kaufen wir ein WC (Standmontage, die Hausfrau ist nicht sehr glücklich dabei.) und einen Feuerlöscher. Das klingt insgesamt nach einem mageren Ergebnis für knapp 100km Fahrt, aber wir haben sensationell günstig getankt und haben uns auf der Fahrt gefühlt, als hätten wir einen Urlaubstag. Sogar Pizza haben wir gegessen. Es war kein Vergleich gegen italienische Pizzen (schon gar nicht die aus der Suldener Pizzeria *Schmacht*) aber es war eine Pizza! In Schweden kann man sehr preiswert ein sogenanntes „Dagens Rätt“ essen. Das ist eine Arte Menü, in dem es ein, von Tag zu Tag unterschiedliches Hauptessen gibt und dazu noch ein Getränk mit Refill, Salat, Knäckebrot, Butter und Kaffee mit Refill. Wir haben zusammen 110 Kronen, etwa 12 Euro dafür bezahlt. Das war echt billig. Mein Glückwunsch TT aus C – Mora war eine gute Wahl! So viele Möglichkeiten zum Essen wie dort, habe ich noch an keinem so kleinen schwedischen Ort gesehen.    

 

Montag, 24. September 2007

Bratwurst vs. Surströmming

Der Arbeitseinsatz am Samstag, war eigentlich eher eine traditionelle Veranstaltung. Sehr interessant. Ich hatte schon erwähnt, dass bei uns in der Umgebung jede Menge alte Sennereien, sogenannte „fäbods“ stehen. Nur wenige werden noch betrieben, die meisten sind in Nutzung als Wochenendhaus.

Der Sinn der Sennerei bestand und besteht darin, dass die Wiesen um den heimatlichen Hof nicht genügend Futter abwarfen, also rodete man Wald, baute ein Abbild des eigenen Hofes dort hin und brachte im Sommer das Vieh in den Wald, wo es frei herumlaufen kann und nach Herzenslust fressen. Gleichzeitig zäunte man bestimmte Wiesenflächen ein, dort wurde Heu gemacht. Am Ende des Sommers brachte man das Vieh, das Heu und den über den Sommer hergestellten Käse wieder zurück in den Heimathof.

Was hat mein kleiner Ausflug in die Geschichte dieser Gegend nun mit unserem samstäglichen Arbeitseinsatz zu tun? Ganz einfach: der Wald versucht permanent, das ihm abgerungene Land zurückzuerobern. Auf den Wiesen wachsen Eberesche, Birke, kleine Kiefern und Fichten. Pflegt man diese Wiesen nicht, so ist wertvolles Weideland binnen kurzem wieder versteppt. Also machen sich viele Menschen, vom Kind bis zum Opa an die Arbeit und rupfen oder schneiden alle kleinen „Störenfriede“ aus dem Weideland. Und weil man in Schweden ist, tut man das nicht in großer Verbissenheit und Hektik, sondern fröhlich und entspannt.

Das bedeutet, dass es auch ein gemeinsames Mittagessen gibt. Ganz in der Landestradition gab es „korv med bröd“ also Wurst mit Brot. Ich wurde sogar extra von der Arbeit freigestellt, um Kathrin zum Essen zu holen.

Besonders spannend war, dass alle Beteiligten ganz neugierig auf die beiden „Tyska“ waren. Jeder wollte wissen, ob wir über den Winter hier bleiben wollen, ob wir Angst vor Bären oder Wölfen haben und was wir überhaupt so im Winter treiben wollen, wenn wir nicht gerade gegen Bäre und Wölfe kämpfen. Und alles auf schwedisch.

Nach dem Mittagessen wurden wir von der Arbeit freigestellt, damit wir uns darauf vorbereiten konnten, dass am Abend um 18 Uhr ein kleines Fest stattfinden würde. Sozusagen der Saisonabschluss der Wochenend-Besitzer. Jeder sollte sein eigenes Essen und Trinken mitbringen.

Wir dachten, wir machen unseren Nachbarn eine Freude und nehmen deutsche Bratwürste mit. Das wird sie sicher freuen.

Zunächst nahmen wir 6 Würste mit, bei Bedarf wollten wir Nachschub holen. Als wir auf der Feier ankamen und unsere Würste und den Senf auspackten, da sagte doch plötzlich jemand zu uns: „Ihr kommt nach Schweden und esst deutsche Würste mit deutschem Senf. Denkt ihr nicht, dass es Zeit wird, schwedische Produkte zu essen?!“

Na, das ging also kräftig nach hinten los. Niemand hatte verstanden, dass wir unsere Würste als Kostprobe austeilen wollten. Alle dachten, dass wir noch so an der Heimat hingen, dass wir ohne deutsches Essen nicht klarkommen würden.

Zum Glück konnten wir einem der Anwesenden, der etwas Deutsch sprach,  die Situation erklären und ab da kamen dann auch die Leute zu uns an den Tisch, brachten ein Stück ihres eigenen Essen mit, mal Krebse, mal Gustafkorv, eine leckere Pferdewurst (nachdem ich mir hier im Blog schon einen „guten“ Ruf als Katzenhasser gemacht habe, kann ich ja zugeben, dass ich so was esse!) und dann nahmen sie sich ein Stück unserer guten Bratwürste mit. Mal war es ein Viertel, mal ein Sechsunddreißigstel und ein ganz Mutiger, nahm sogar eine halbe Wurst mit. Feedback haben wir keines erhalten…

Wer weiß was Surströmming ist, weiß, dass die Schweden nicht gerade einen fragilen Geschmack haben. Diese Fischdosen muss man unter Wasser öffnen, weil sonst die Wohnung noch Jahre nach Exkrementen stinkt. Sie essen es dennoch. Warum mögen sie dann keine Thüringer Bratwürste??? Das kriegen wir noch raus, aber ich fürchte, es hat nichts mit den Geschmacksnerven zu tun, als mit dem Spruch „Was der Bauer nicht kennt,…“. So gesehen, hat der Umzug nichts verändert.

Da Samstag war und weil niemand mehr mit dem Auto fahren musste, kam dann das, was immer kommt. Schmeckt gut, der Schnaps den die hier haben. Wenn ich mich nur erinnern könnte. J

Kathrin hat einen guten Ausdruck dafür, was uns an diesem Samstag passiert ist, an dem wir nahezu ausschließlich schwedisch gesprochen haben. Wir sind „in der Sprache ertrunken“. Besser lässt sich der Zustand nicht mehr beschreiben. Man läuft über, vor Informationen, die man loswerden will, aber nicht kann. Und man ertrinkt in dem Schwall von Worten des Gegenübers, die alle noch durch den Interpreter müssen, der aber schon die weiße Flagge schwingt.

Heute Morgen, Montag, war es sehr warm. Im Tagesverlauf erreichten wir sogar mehr als 16 Grad. Ist der Winter schon vorbei? Wir haben den Ofen heute nicht eingeheizt, um Holz zu sparen, aber jetzt am Abend merkt man, dass es kühl in der Hütte wird.

Morgen gegen Mittag wird die Bodenplatte gegossen. Ich habe heute noch schnell ein paar Elektrokabel unter die Stahlmatten gelegt, dann muss ich später nicht soviel Kabel durch die Wände legen. Es war schon sehr praktisch, dass ich eine Woche Zeit hatte, bis gegossen wird. Ich stand jeden Tag wie ein Arbeiterstandbild auf dem Sockel, schaute in die Eingeweide des Anbaus und dann fiel mir wieder etwas ein, dass ich vergessen hatte (z.B. die Entlüftung der Kläranlage übers Dach, oder was noch besser zu machen sei.

In meinem „letzten Leben“ hatte ich schon mal ein Haus. Gebaut habe ich es nicht. Dieser Anbau hier ist ein Bruchteil dessen, was mir mal gehörte, aber es befriedigt einen ungemein, wenn man das Meiste selbst machen kann.     

Freitag, 21. September 2007

Tag- und Nachtgleiche

Ab diesem Zeitpunkt dürfen alle Leute in Deutschland frohlocken. Von nun an wird es bei uns jeden Tag schneller dunkel als in Deutschland.

Aber schön für uns zu wissen, dass es heute genau so spät dunkel wird, wie bei den meisten von euch.

Wir sind gespannt, wie sich diese Dunkelheit auf uns auswirken wird.

Aber auf alle Fälle gibt es wieder Grund zu großer Freude.

Vielleicht klingt das für euch etwas albern, aber wir sind regelrecht aus dem Häuschen, weil wir einen Abfluss in unserer Hütte haben, an den ein Spülbecken angeschlossen ist. Nun müssen wir nicht jedes Mal zum Händewaschen, Gemüseabspülen oder Zähneputzen ins Freie und das Brauchwasser kann nun auch nicht mehr einfrieren. Das fließende Wasser kommt aus einem Kanister, der auf die Spüle gestellt wird.

Das Geschirr kann in einer komfortabel großen Spüle abgewaschen werden und dann – flups – ist das schmutzige Wasser einfach weg.

Was früher so selbstverständlich war, bekommt jetzt eine andere Bedeutung. Wir wissen, was es für ein Aufwand war, dass dieses Abwasser zwischen Felsen in Richtung Kläranlage fließen kann und das macht das Wegspülen zu einer, zumindest momentan noch, andächtigen Handlung.

Beim Anbau ist jetzt alles soweit vorbereitet, dass der Beton gegossen werden kann. Das heißt, die Warm- und Kaltwasserleitung in unsere „alte“ Hütte ist gelegt, alle wesentlichen Elektrokabel liegen als Leerrohr im Boden und natürlich sind alle Abflüsse für Dusche, WC, Waschbecken usw. an Ort und Stelle.

Sollte alles gut gehen, kommt vielleicht nächste Woche sogar der Brunnenbohrer.

Morgen haben wir einen Arbeitseinsatz bei uns im „Walddorf“ (Nicht zu verwechseln mit Walldorf!). Das erste Mal werden wir auf fast alle „Einwohner“ gleichzeitig treffen. (Einwohner deshalb in Hochkomma, weil außer Persson und uns niemand wirklich hier wohnt, schon gar nicht über den Winter.) Mal sehen, wie sie sich „im Rudel“ verhalten. Das wird sicher interessant zu beobachten sein.

Na dann, wir trinken zur Feier des „Tages des Abflussrohres“ einen kleinen Whisky auf unser und eurer Wohl. Macht euch ein schönes Wochenende und erholt euch alle gut!

Donnerstag, 20. September 2007

Ein rundherum gelungener Tag

Der gestrige Tag war voller Aktivitäten und Termine. Wie immer, wenn wir in der Stadt einen festen Termin haben, passiert es, dass die davorliegenden Aktivitäten sich verschieben und wir dann mit Blaulicht nach Leksand fahren müssen. Dieses Mal kam der Graber nicht wie vereinbart am Morgen, sondern genau zu dem Augenblick, an dem wir uns zum Essen hinsetzen wollten. Dummerweise brauchte er eigentlich Zugang zu unserem Haus, weil wir den Durchbruch zur Spüle machen wollten. Das müssen wir nun am Freitag tun. Freitag ist aber eigentlich schlecht, weil ich da mit Persson die Jagdstände präparieren will.

Als wir am Abend nach vielen Aktivitäten endlich wieder in unserer Hütte sitzen und den Abend einläuten wollen, hupt es draußen. Persson. Er fragt, ob wir das mit den Jagdständen nicht auch gleich machen könnten. Ich denke daran, dass damit der Freitag gerettet ist und stimme zu.

Da Persson nicht mehr richtig laufen kann, schickt er mich kreuz und quer durch den Wald. Mal soll ich eine Schuss-Schneise freischneiden, mal eine Fichte umhauen, damit wir Holz und Reisig für den Anstand bekommen. Hinterher bin ich klipperklar, aber Persson ist hochzufrieden und zeigt mir noch das gesamte Jagdgebiet von immerhin 10.000 Hektar. Im Auto, natürlich.

Im Dunklen komme ich heim.

Dieser Morgen begann ruhig. Nach dem, inzwischen permanent notwendigen, Feuermachen gibt es ein kräftiges Frühstück und danach wird Holz gemacht für die Hütte und für das Lagerfeuer, an dem wir im Winter den Schnee-Scooterfahrern eine heiße Suppe und Getränke reichen wollen. Endlich wieder mit der Stihl arbeiten. Das macht Freude!

Von Früh an hatten wir unserer Katze einen Outdoor-Tag verschrieben. Anfänglich klappte das überhaupt nicht und kaum hatten wir Gismo aus der Tür geschubst und hinter ihm verschlossen, kam von draußen klägliches Miauen. Aber nach einer Weile war er an seinem zukünftigen Arbeitsplatz, dem Schuppen verschwunden.

Als ich zum Holzstapeln, die Schuppentür aufmachte, blinzelte er mich vom Hackstock aus an und ich dachte noch, dass der jetzt bestimmt gleich pennt. Aber ich sollte mich täuschen. Beim nächsten Öffnen der Schuppentür sah der Kater irgendwie fröhlich aus und ein wenig schmutzig im Gesicht. Er spielte mit irgendetwas, das aus der Ferne wie ein Stück Holz aussah. Beim genaueren Hinsehen zeigte sich eine kleine Maus, die, den Tönen nach, mit der Gesamtsituation unzufrieden war. Im Gegensatz zu Gismo. Innerhalb der nächsten Stunde hatte er sein neues Spielzeug so sehr zur Verzweiflung gebracht, dass sie vermutlich ihre Zunge verschluckt hat. Jedenfalls sah sie sehr, sehr unbeweglich aus.

Was soll ich sagen – unsere Funktionskatze funktioniert jetzt. Damit, lieber Funkturm, ist der Tauschhandel Katze - Ziege natürlich hinfällig, da der Marktwert unserer Katze gerade enorm gestiegen ist. Da würde ich jetzt zur Ziege gern noch den jungen, talentierten Dachschindelschläger dazunehmen. Einverstanden?

Aber zurück zu dem guten Tag.

Zum Mittag gab es Bohneneintopf mit Lammfleisch. Draußen ist es schon etwas kälter, der Wind weht und man hat die Hände voller Holzgeruch (jaja, ich weiß, VOR dem Essen Händewaschen!) und dann gibt es eine heiße, leckere Suppe. Leute, was braucht es mehr?!

Am Nachmittag bekam Gismo dann auch noch seine 2. Impfung. Seine Ohren sind auch endgültig von den blöden Milben befreit.

Alles ist heute so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben. Ein Grund zufrieden zu sein.

Übrigens kam heute ein dicker Brief vom schwedischen Statistikamt an Kathrin. Sie ist eine von 1000 Leksandern, die ausgewählt wurden, ein paar statistische Fragen zu beantworten. Jetzt muss sie sich durch einen dicken Stapel schwedischer Fragen arbeiten…

 

Sonntag, 16. September 2007

Winterbeginn


Die Überraschung des Tages - es hat geschneit! An einem 16. September. Das finden auch die Einheimischen nicht besonders normal, wohl aber im Bereich des Möglichen. Der frühe Winterbeginn scheint also sehr wahrscheinlich zu sein. Deshalb müssen wir uns sputen.
Bereits nach dem Aufstehen gab es die erste Überraschung - das Wasser in den Regenwasserbehältern war mit einer dünnen Eisschicht überzogen.
Ab jetzt haben wir also einen weiteren Schwierigkeitsgrad - Frost. Das bedeutet, dass alle frostempfindlichen Dinge jetzt bei uns in der Hütte wohnen. Wein, Farben, etc.
Da Sonntagsarbeit Zuschläge gibt, habe ich heute mit dem Verlegen der Styroporisolation begonnen. Wenn man dabei nicht unter Zeitdruck ist, kann man richtig Spaß haben. Ich fand es jedenfalls schade, dass ich irgendwann aufhören musste, weil einige Anschlüsse noch nicht verlegt waren, da mir ein Y-Stück fehlt. Baumärkte haben Sonntags in Schweden auch nicht geöffnet. Aber morgen geht es dann weiter.
Nächste Woche machen wir einen Rohrdurchbruch zur Hütte für das Abwasser und künftige Wasser, danach kann unsere Spüle in voller Funktionalität genutzt werden. Wieder ein kleiner Erfolg, der das Leben einfacher macht.
Das allerbeste war heute allerdings das Mittagessen. Zum ersten Mal seit wir hier oben sind gab es Frisches aus dem eigenen Garten zu essen - Spinat! Den hatte Kathrin gleich nach unserer Ankunft aus Samen gezogen. Ein paarmal haben auch Perssons Pferde davon gekostet. Es hat aber genug davon überlebt, dass wir uns eine Mahlzeit davon bereiten konnten. Noch nie in meinem Leben hatte ich selbstgezogenen Spinat gegessen. Er hat absolut ausgezeichnet geschmeckt. Gleich werden wir einen Wochenplan (auf Papier!) erstellen. Mal sehen, was davon wieder anders kommt. Aber Planung ist nun mal die Ersetzung des Zufalls durch den Irrtum.
Euch allen eine schöne neue Woche.